Die Etikette

Dieser Informationstext über die Etikette ist ein paar Jahre alt (aber dennoch eine Grundlage für unser Spiel) und stammt meines Wissen aus der Feder von Lidia aus Hamburg.

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Einführung

Der eigentliche Zweck der Etikette ist die Erleichterung der Kommunikation und die Verhinderung von Missverständnissen: Sie gab denen, die sich keine feine Erziehung leisten konnten, Mittel in die Hand, um sich vor der Willkür der Mächtigen zu schützen.

In der kainitischen Gesellschaft, die viel starrer und hierarchischer ist als die menschliche, erscheint es mehr als logisch, dass sich einige Grundregeln, auf denen die Etikette basiert, als allgemeingültig durchgesetzt haben und von den Ahnen und Harpyien (rücksichtslos) überwacht werden.

Gerade wenn so viele verschiedene Personen aus unterschiedlichen Zeiten und Kulturen zusammentreffen, die in Konkurrenz zueinander stehen, ist es mehr als notwendig, eine neutrale Verhaltens-Basis zu finden, damit es nicht zu Missverständnissen kommt, die unter Umständen zu schweren Eskalationen führen würden.

Somit dient Etikette in der kainitischen Gesellschaft als ein Geflecht von imaginären Ketten, die dafür sorgen, daß sich die Raubtiere (die Vampire ja sind) nicht gegenseitig ins Gehege kommen.

Man muss davon ausgehen, dass die hier genannten Grundzüge zur Allgemeinbildung und Grundausbildung nahezu jedes Kainskindes gehört, die jeder Schöpfer seinem Kind beigebracht hat, um es für den Umgang mit anderen Kainiten zu wappnen. Dies gilt speziell für die gesellschaftlichen Clans – insbesondere für Ventrue und Toreador ist das Wissen um Etikette kein kann sondern ein MUSS um zu Überleben (und selbst Ghule dieser Clans lernen diese Regeln – oder sterben ganz schnell). In Deutschland sind übrigens IMHO auch die Brujah zum überwiegenden Teil mit diesen Regeln vertraut.

Hält man sich an diese Grundprinzipien, so kann man sich – auch in Anwesenheit von Ahnen – relativ sicher auf dem gesellschaftlichen Parkett bewegen.

Obwohl in dieser Einführung ein Überblick über die wichtigsten Verhaltensregeln gegeben wird, um unter Spielern größtmögliche Klarheit zu schaffen, kann auch die sture Einhaltung der folgenden Muster keine absolute Garantie für das definitiv korrekte Betragen geben. Im Endeffekt kann nur die sensible Einschätzung von Fall zu Fall einen Kainiten vor Fehltritten bewahren.

Die Fähigkeit zu solcher Einschätzung gewinnt man erst durch Erfahrung und gute Beobachtung. Deshalb sollte und darf ein Kind oder ein ungeübter Neugeborener sich nicht scheuen, seinen Schöpfer oder Mentor zu fragen, wie er sich zu verhalten hat, wenn er unsicher ist. Auch ein versierter Ancilla, dem am korrekten Verhalten der anderen etwas liegt, sollte für eine solche Auskunft keinen oder nur einen SEHR kleinen Gefallen einfordern.

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Der gesellschaftliche Rang

Der gesellschaftliche Rang eines Kainiten setzt sich aus drei Faktoren zusammen: Status, Amt und Ansehen (im Sinne von Berühmtheit).
Hierbei gilt grundsätzlich: Status vor Amt vor Ansehen, wobei jedoch ein besonders hohes oder schlechtes Ansehen beides überflügeln kann. Wenn man nichts über das Ansehen des Charakters weiß, dem man gegenübersteht, empfiehlt es sich, es außer acht zu lassen, oder sich an seinen Ahnen oder den Harpien zu orientieren. (Ausgenommen aus dieser Regel ist generell nur der Prinz, der in seiner eigenen Domäne von der Etikette her betrachtet immer den höchsten Rang inne hat.)

Status ist die Summe aus der Anerkennung, die ein Kainit innerhalb der Gesellschaft der Camarilla geniesst und dem Alter des Kainiten, wobei die gesellschaftliche Anerkennung überwiegt. Die Harpyien bzw. die Ahnen (des Ahnensalons) legen den Status fest, wobei hier eine Kombination verschiedener Faktoren eine Rolle spielt. Dazu gehört politischer Einfluß in der Camarilla (meist über die Domäne hinaus), Einfluß im Clan, besondere Verdienste, persönliches Charisma und eben nicht zuletzt angemessenes und vorbildliches Benehmen.

Die Anforderungen, die an Kainiten bezogen auf die o.g. Punkte gestellt werden, steigen mit zunehmenden Status immer höher.

Die Rangordnung der kainitschen Gesellschaft
Die allgemeingültige Hierarchie bezogen auf den gesellschaftlichen Umgang setzt sich also zusammen aus dem Status:

1. Ahn
2. Ancilla
3. Neugeborener
4. Kind (kein eigener Status)

und der politischen Rangordnung:

1. Prinz
2. Prinzregent (Stellvertreter des Prinzen)
3. Erstgeborene und andere Ämter*
4. Andere

*Ob Ämter wie Blutvogt, Hüter des Elysiums oder Harpyie über oder unter einem Erstgeborenen einzugliedern sind, hängt vom Ansehen der Amtierenden und von der Handhabung in den jeweiligen Domänen ab.
Ein politisches Amt (ausgenommen dem des Prinzen) kann den altersbedingten Status grundsätzlich nicht überwinden, es gilt im Allgemeinen also folgende Rangfolge:

1. Prinz der gastgebenden Domäne
2. andere Prinzen
3. Ahn mit politischem Amt
4. Ahn
5. Ancilla mit politischem Amt
6. Ancilla
7. Neugeborener mit politischem Amt
8. Neugeborener
9. Kind

Es gibt hierbei Ausnahmen: In Abwesenheit des Prinzen der Domäne ist sein Stellvertreter automatisch in der Rangfolge an höchster Stelle. Hinzu kommt z.B. noch, daß das gesellschaftliche System der Camarilla der internen Struktur von Haus und Clan Tremere weicht, wenn Tremere unter sich sind.

Die o.g. Abstufungen sind vor allem in den höheren Bereichen übrigens häufig hauchdünn, trotzdem sind sie immer da und so undurchlässig wie Beton.

Die größten Trennungen liegen naturgemäß in den statusbedingten Parametern. (also z.B. zwischen 4. und 5. bzw. 6. und 7. )

Aus diesem System ergibt sich übrigens auch, daß Prinzen, die selbst gesellschaftlich nur Ancilla sind, versuchen ihr Amt zu betonen und ihren Status ‚zurückzuhalten‘.

Bei gleichrangigen Kainiten verschiedenen Geschlechts sollte der Herr immer der Dame den Vorzug geben. Inwieweit der Herr der Dame über ihren Rang hinaus den Vorzug gibt, hängt von dessen Persönlichkeit und beider Ansehen ab.
Außerdem hat bei Gleichrangigen ein Mitglied der gastgebenden Domäne den höheren Rang.

Ghule, Anarchen, Caitiff haben keinen Status und demnach kein Anrecht auf Respektsbezeugungen, können allerdings in seltenen Fällen soviel Ansehen (s.u.) gewinnen, das ihnen Sonderrechte eingeräumt werden (z.B. der Ghul eines Prinzen).

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Die Vorstellung

Die Vorstellung ist häufig bereits der entscheidende Moment, indem man von Ahnen und Harpien geprüft und für akzeptabel oder wertlos befunden wird. Der erste Eindruck ist auch und gerade unter Kainiten von absolut entscheidender Bedeutung.

Die folgenden Abstufungen sind der Standard für eine formelle Vorstellung:

Ein Kind:
verneigt sich leicht vor einem Neugeborenen (Kopfneigung)
verbeugt sich tief vor einem Ancilla
kniet nieder vor einem Ahnen

Ein Neugeborener:
verneigt sich leicht vor einem Ancilla
verbeugt sich tief vor einem Ahnen
kniet nieder vor einem Prinzen

Ein Ancilla:
verneigt sich leicht vor einem Ahnen
verbeugt sich tief vor einem Prinzen
kniet nieder vor einem Justicar

Ein Ahn:
verneigt sich leicht vor einem Prinzen
verbeugt sich tief vor einem Justicar

Ein Prinz verneigt sich vor einem Justicar und kniet vor niemandem.

Generell gelten folgende Regeln und Tips für Vorstellungen:

1. Überlasse dem Ranghöheren immer die Wahl über die Begrüßungsform.
Das heißt: Man verbeuge sich zunächst standesgemäß. Wenn der Ranghöhere dann die Hand reichen will, sei es zum Händedruck oder zum Handkuss, wird er es tun. Man erspare sich die Peinlichkeit, dass er sich weigert, die dargebotene Hand zu nehmen.

Bei einer formellen und vollständigen Vorstellung der eigenen Person sollte man nacheinander erwähnen:
Name, Status, Clan, evtl. politisches Amt und Domäne (die Reihenfolge ist nicht zwingend, sie empfiehlt sich nur aus Sprachfluss-Gründen:
z.B. „Mein Name ist X, Ancilla des Clans Y, Erstgeborener der Domäne Z“
Das sind die Grundinformationen, die man von sich aus preisgeben kann. Es ist nicht üblich und nicht notwendig, außerhalb des eigenen Clans mehr zu erwähnen.

Man sollte sich langsam, laut und deutlich vorstellen, damit dem Gegenüber peinliches Nachfragen erspart bleibt, und damit keine unangenehmen Missverständnisse entstehen. (Man vermeide peinliches Genuschel)

2. Lass jemand anderes Dich vorstellen.
Dies ist keine zwingende Regel sondern eher ein Tip um sich von der Masse durch einen besonders guten Eindruck positiv abzuheben (vor allem bei den Ahnen).

Beispiel: Ein Neugeborener sollte sich einem Ahnen nicht selbst vorstellen, besser sollte man einen Ancilla oder den zum Clan gehörenden Erstgeborenen der Domäne finden können, der gewillt ist, dies zu tun: Das ist bereits ein kleiner Gefallen!
Auch für Ancillae und Ahnen ist es angeraten, sich eine „Empfehlung“ einzuholen.

3. Unterbrich kein Gespräch unter Ranghöheren, auch nicht, um Dich vorzustellen.
Dies ist ein großes Tabu, speziell wenn man ein Gespräch unter Ahnen stört!
Wenn man einen Ranghöheren begrüßen oder sprechen möchte, der sich in einem Gespräch befindet, nähert man sich der Gruppe sichtbar, bleibt außer Hörweite stehen und versucht, den Blick der Person aufzufangen und verbeugt sich ggfs. dabei leicht (wenn angebracht). Wenn man von der Person ignoriert wird, wählt man einen anderen Zeitpunkt, oder läßt es besser (ist sowieso schon peinlich genug).

Wenn man dem laufenden Gespräch beiwohnen möchte, sollte man nach der Vorstellung beim ranghöchsten Gesprächsteilnehmer höflich erfragen, ob dies gern gesehen ist.

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Die formelle Vorstellung beim Prinzen

Vor dem Prinzen muss man sich in gebührendem Abstand standesgemäß verbeugen.

Die Art der Verbeugung darf individuell variieren, je nach dem, aus welcher Kultur und Zeit man stammt und welchen Status man selber hat (bei mächtigen Ahnen, die gerne etwas provozieren wollen, wird die Verbeugung nicht mehr als ein Nicken sein). Dann kann man sich aller Form nach vorstellen. (s.o.)

Im Optimalfall folgt ein kurzer Dank für die Einladung und die Gastfreundschaft und eine weitere Verbeugung (siehe oben), bis der Prinz das Wort an einen richtet.

Der Prinz hat dann die Möglichkeit, den Gast mit ein paar Worten in seiner Domäne willkommen zu heißen, womit er den Gast in den Abend entläßt.
Erst dann darf man sich vom Prinzen entfernen: Es empfiehlt es sich, ein bis drei Schritte rückwärts zu gehen, (und sich ggfs. vielleicht nochmals leicht zu verbeugen), bevor man ihm den Rücken zukehrt.

Sollte man zu einer Delegation gehören, oder sich im Gefolge des eigenen Prinzen befinden, so verbeugt man sich, wenn der Sprecher der Delegation sich verbeugt.

Sollte der Sprecher der Delegation oder der eigene Prinz die einzelnen Namen in seinem Gefolge nennen, so tritt man ggfs. vor, wenn der eigene Name genannt wird, verbeugt sich, und tritt entsprechend wieder zurück.

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Reihenfolge der Begrüßung

Die Vorstellung bzw. Begrüßung (und die Verabschiedung) geht im Idealfall streng nach der für den Abend gültigen Rangordnung (s.o.), meist genügt es aber, wenn man nur den Prinzen und den Gastgeber förmlich begrüßt. Die genauen Regeln für die korrekte Begrüßung und die Reihenfolge der Vorstellungen an einem Abend erfährt man beim Hüter des Elysiums, der als Protokollchef für diese Dinge zuständig und verantwortlich ist.

Sind Ahnen der eigenen Domäne oder des eigenen Clans anwesend, ist es höflich und meist angebracht, danach auch sie zu begrüßen. Wenn man nicht alle Ahnen kennt oder sich nicht sicher ist, welche Ahnen man in welcher Reihenfolge begrüßen sollte, kann man sich beim Hüter des Elysiums oder einer Harpyie danach erkundigen. Es ist es klüger, sich bei keinem von ihnen explizit vorzustellen, als einen von ihnen zu brüskieren, weil man ihn vergisst oder an unangemessener Stelle begrüßt.

Begegnet man einem bekannten höherrangigen Kainiten, bevor man sich beim Prinzen oder beim Gastgeber vorgestellt hat, verbeugt man sich kurz vor ihm. Macht dieser dann den Eindruck, dass er eine förmliche Begrüßung erwartet (d.h. er richtet das Wort an den Gast oder hält ihm die Hand hin), darf man ihm diese nicht verwehren, es ist aber absolut korrekt, wenn man gleich darauf hinweist, dass man sich auf dem Weg zum Prinzen / zum Gastgeber befindet, um die gebotene Aufwartung zu machen. Ein wohlerzogener Kainit wird den Gast dann bald entlassen und anmelden, falls er wünscht, dass nach der obligatorischen Vorstellung das begonnene Gespräch fortgesetzt wird.

Trifft man auf eine Gruppe, ist man nicht verpflichtet, jeden einzeln zu begrüßen, ein freundliches Nicken in die Runde reicht. Wenn man allerdings persönlich begrüßen möchte, dann bitte jeden und in der richtigen Reihenfolge.

Sollte der Hüter des Elysiums (bzw. eine Harpyie) für den Empfang der Gäste zuständig sein und sich dem Gast am Eingang als solche vorstellen, darf man sich ihm ebenfalls noch vor dem Prinzen vorstellen. Diese wird ihn zum Prinzen, zum Gastgeber und dann gegebenenfalls zu einem Vertreter seines Clans führen. Der Hüter des Elysiums ist im Normalfall Ansprechpartner für die lokalen oder für den Abend gültigen Verhaltensregeln und kann z.B. den Gast darüber aufklären, ob der Prinz von der Norm abweichende Erwartungen an die Begrüßung stellt. Sehr häufig übernimmt diese Funktion auch eine Harpyie.

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Generelles zum Umgang mit Ahnen

Betritt ein Ahn zum ersten Mal den Raum bzw. kommt er erstmals an einen Tisch, sollten alle, die niedrigeren Ranges sind, aufstehen. Wenn er im Laufe des Abends öfter mal die Räumlichkeiten verlässt und dann wieder betritt, so braucht man nicht jedes Mal aufzustehen. Wenn also eine unbekannte Person den Raum betritt, sollte man zuerst auf die Reaktion der Harpie oder der anderen Kainiten achten. Wenn sie aufstehen, kann man sicher sein, dass es sich um einen Ahnen handelt, und sollte selbst auch aufstehen.

Der Ahn kann dann die Höflichkeit besitzen, mit einem Zeichen zu bedeuten, dass er diese Respektbezeugung wahrgenommen hat, und dass man sich wieder setzen darf. Tut er es nicht, steht man, bis der Ahn Platz selbst genommen hat. Wenn dieser allerdings kein Zeichen gegeben hat, lange herumsteht und den Eindruck macht, sich der stehenden Kainiten nicht mehr bewusst zu sein, darf man sich nach angemessener Zeit wieder setzen und ärgern.

Man braucht nicht jedes Mal aufzustehen, wenn sich ein Ahn nur nähert. Dies wird nur erwartet, wenn ein Ahn sich selbst erhebt oder sich direkt an den Gast selbst oder an einen oder mehrere seiner eigenen Gesprächspartner richtet (auch in der menschlichen Öffentlichkeit ist es hierbei nicht falsch, das Aufstehen wenigstens ansatzweise anzudeuten). Der Ranghöchste in der Gesprächsrunde sollte dann den Ahnen einladen, am Gespräch teilzunehmen oder verdammt gute Gründe nennen, weswegen das gerade nicht möglich ist. Wenn kein Platz mehr in der Runde frei ist, so wird vom Rangniedersten erwartet, dass er dem Ahnen seinen Platz anbietet. Kommt ihm jemand Ranghöheres aus der Runde zuvor, kann er letzterem höflicherweise anbieten, seinen Platz zu behalten und dem Ahnen selbst, falls dieser noch nicht den ersten angenommen hat, im Austausch den eigenen Platz anbieten. Hat der Ahn den anderen Platz schon angenommen, so bleibt einem nur, dem nun stehenden höherrangigen Kainiten den eigenen Platz anzubieten. Kommt man diesen Erwartungen nicht nach, so kann eine unschöne Einforderung solcher Pflichten seitens einer Harpyie oder gar der Höherrangigen selbst die Folge sein.

Man sollte versuchen, einem Ahnen, der in der Nähe steht, nicht den Rücken zuzukehren. Das wird generell als unhöflich empfunden.

Man spricht Ahnen im Zweifelsfall mit ihrem Namen an. Ansonsten empfiehlt es sich wie immer, sich vorher zu erkundigen – eventuell auch beim Ahnen selbst – wie er angeredet werden möchte.

Prinzen sollte man im Zweifelsfall immer mit der dem Titel entsprechenden, korrekten Anrede ansprechen, im allgemeinen ist das ‚Euer Majestät‘ oder ‚Euer Hoheit‘. Mächtige Ahnen können
es auch wagen einen Prinzen ohne besondere Erlaubnis nur mit seinem Namen anzusprechen. Das sagt aber einiges über das Verhältnis der Beiden zueinander aus, und ist manchmal schon eine Machtprobe.

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Allgemeine Verhaltensweisen

Es empfiehlt sich, auch im Laufe des Abends darauf zu achten, dass man niemandem ungewollt auf die Füße tritt. Fast alle Höflichkeitsregeln der menschlichen Etikette haben auch in der kainitischen Gesellschaft Geltung.
Man sollte niemals vergessen, daß für die Camarilla die Gesellschaft DAS zentrale Schlachtfeld ist – und für Kainiten und ihre Gesellschaft sind schon Fehler, die für Sterbliche banal wären, durchaus von Bedeutung und ausnutzbar.

Fast alle Höflichkeitsregeln der menschlichen Etikette haben auch in der kainitischen Gesellschaft Geltung:

· Man sollte sich in ein Gespräch niemals ungefragt einmischen.
· Man sollte seinen Gesprächspartner nie unterbrechen.
· Will man ein Gespräch beenden, entschuldigt man sich höflich dafür. Wenn es ein Gespräch mit einem Ahnen ist, sollte man wirklich gute Gründe zur Entschuldigung vorbringen können.
· Es ist immer besser zu warten, bis man von einem Höherrangigen angesprochen wird.
· Es ist immer besser zu warten, bis man von einem Höherrangigen aus einem Gespräch entlassen wird.
· Wenn man sich mit einem Höherrangigen im Gespräch befindet, darf man das Gespräch nur dann unterbrechen (und gegebenenfalls aufstehen), wenn jemand hinzutritt, der einen höheren Rang hat als der Gesprächspartner.

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Der korrekte Handkuß

Beim Handkuss hält die Dame ihre Hand mit dem Handrücken nach oben etwa auf Brusthöhe dem Herrn hin, wenn sie sitzt (und sitzen bleiben darf!), etwas höher. Hält sie die Hand niedriger und mit dem Handrücken zur Seite, heißt das wohl, dass sie keinen Handkuss erwartet. Man darf dann vorsichtig antesten, ob sie nur bescheiden ist, oder ob sie keinen wünscht, indem man ihre Hand leicht zu drehen versucht. Die Hand ‚mit Gewalt‘ selbst zu verdrehen ist ausgeschlossen, ebenso, sie zu ergreifen und zu sich zu ziehen. Der Herr sollte die Hand der Dame sanft mit der seinen stützen und ein wenig zu sich heben, gleichzeitig beugt er sich leicht zu ihr hinunter (je höherrangiger die Dame, desto tiefer die Verbeugung). Die Lippen berühren die Hand nicht, noch werden sie zum ‚Kussmund‘ geschürzt. Normalerweise schaut man der Dame beim Handkuss nicht in die Augen (ganz bestimmt auch nicht ins Dekolleté 😉 ). Am besten senkt man den Blick oder schließt die Augen. Hält man den Blick, gilt das als entweder als herausfordernd oder als Zeichen besonderer Vertrautheit und Intimität. Hält man beim Handkuß den Blick einer höherrangigen Dame, ohne das Recht dazu zu besitzen, so ist dies ein besonders grober Etiketteverstoß – und Futter für die Harpyien.

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Die Vorstellung beim Prinzen

Vor dem Prinzen muss man sich in gebührendem Abstand standesgemäß verbeugen. Die Art der Verbeugung darf individuell variieren, je nach dem, aus welcher Kultur und Zeit man stammt. Dann kann man sich aller Form nach vorstellen (s.o.).

Im Optimalfall folgt ein kurzer Dank für die Einladung und die Gastfreundschaft und eine weitere Verbeugung, bis der Prinz das Wort an einen richtet.Der Prinz hat dann die Möglichkeit, den Gast mit ein paar Worten in seiner Domäne willkommen zu heißen, womit er den Gast in den Abend entlässt.

Erst dann darf man sich vom Prinzen entfernen. Es empfiehlt es sich, ein bis drei Schritte rückwärts zu gehen, und sich nochmals leicht zu verbeugen, bevor man ihm den Rücken zukehrt. Sollte man zu einer Delegation gehören, oder sich im Gefolge des eigenen Prinzen befinden, so verbeugt man sich, wenn der Sprecher der Delegation/der Prinz sich verbeugt. Sollte der Sprecher der Delegation oder der eigene Prinz die einzelnen Namen in seinem Gefolge nennen, so tritt man vor, wenn der eigene Name genannt wird, verbeugt sich, und tritt entsprechend wieder zurück.

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Reihenfolge der Begrüßung

Die Vorstellung bzw. Begrüßung (und die Verabschiedung) geht im Idealfall streng nach der für den Abend gültigen Rangordnung (s.o.) meist genügt es aber, wenn man nur den Prinzen und den Gastgeber förmlich begrüßt. Sind Ahnen der eigenen Domäne anwesend, ist es höflich, danach auch sie zu begrüßen. Wenn man nicht alle Ahnen kennt oder sich nicht sicher ist, welche Ahnen man in welcher Reihenfolge begrüßen sollte, kann man sich bei einer Harpyie danach erkundigen. Es ist es klüger, sich bei keinem von ihnen explizit vorzustellen, als einen von ihnen zu brüskieren, weil man ihn vergisst oder an unangemessener Stelle begrüßt.

Begegnet man einem bekannten höherrangigen Kainiten, bevor man sich beim Prinzen oder beim Gastgeber vorgestellt hat, verbeugt man sich kurz vor ihm. Macht dieser dann den Eindruck, dass er eine förmliche Begrüßung erwartet (d.h. er richtet das Wort an den Gast oder hält ihm die Hand hin), darf man ihm diese nicht verwehren, es ist aber absolut korrekt, wenn man gleich darauf hinweist, dass man sich auf dem Weg zum Prinzen / zum Gastgeber befindet, um die gebotene Aufwartung zu machen. Ein wohlerzogener Kainit wird den Gast dann bald entlassen und anmelden, falls er wünscht, dass nach der obligatorischen Vorstellung das begonnene Gespräch fortgesetzt wird.

Trifft man auf eine Gruppe, ist man nicht verpflichtet, jeden einzeln zu begrüßen, ein freundliches Nicken in die Runde reicht. Wenn man allerdings persönlich begrüßen möchte, dann bitte jeden und in der richtigen Reihenfolge.

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Aufgaben einer Harpyie, Umgang mit Ahnen, Gesprächsordnung

Die Aufgaben einer Harpyie

Die Harpyie ist für den Empfang der Gäste zuständig und sich dem Gast am Eingang als solche vorstellen, und wird vom Gast gebeten, diesen beim Prinzen vorzustellen. Sie führt ihn dann zum Prinzen, zum Gastgeber und dann gegebenenfalls zu einem Vertreter seines Clans.

Sie macht sich zum Ansprechpartner für die lokalen oder für den Abend gültigen Verhaltensregeln und kann z.B. den Gast darüber aufklären, ob der Prinz von der Norm abweichende Erwartungen an die Begrüßung stellt. Sie bestimmt, welche Verhaltensregeln in der Domäne gelten, und in Fragen der Etikette ist sie die zuständige Instanz. Es empfiehlt sich, sich mit der Harpyie gut zu stellen, denn mit wem sich die Harpyie abgibt, der ist gesellschaftlich geachtet, wen sie meidet, gesellschaftlich gestorben.

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Der Umgang mit Ahnen

Betritt ein Ahn zum ersten Mal den Raum, sollten alle, die niedrigeren Ranges sind, aufstehen. Wenn er im Laufe des Abends öfter mal die Räumlichkeiten verlässt und dann wieder betritt, so braucht man nicht jedes Mal aufzustehen. Wenn eine unbekannte Person den Raum betritt, sollte man zuerst auf die Reaktion der Harpyie oder der anderen Kainiten achten. Wenn sie aufstehen, kann man sicher sein, dass es sich um einen Ahnen handelt, und sollte selbst auch aufstehen. Sind uneingeweihte Menschen anwesend, braucht man natürlich nicht aufzustehen, man kann es allerdings kurz andeuten.

Der Ahn kann dann die Höflichkeit besitzen, mit einem Zeichen zu bedeuten, dass er diese Respektbezeugung wahrgenommen hat, und dass man sich wieder setzen darf. Tut er es nicht, steht man, bis der Ahn Platz selbst genommen hat. Wenn dieser allerdings kein Zeichen gegeben hat, lange herumsteht und den Eindruck macht, sich der stehenden Kainiten nicht mehr bewusst zu sein, darf man sich nach angemessener Zeit wieder setzen und ärgern.

Man braucht nicht jedes Mal aufzustehen, wenn sich ein Ahn nur nähert. Dies wird nur erwartet, wenn ein Ahn sich selbst erhebt oder sich direkt an den Gast selbst oder an einen oder mehrere seiner eigenen Gesprächspartner richtet (auch in der menschlichen Öffentlichkeit ist es hierbei nicht falsch, das Aufstehen wenigstens ansatzweise anzudeuten). Der Ranghöchste in der Gesprächsrunde sollte dann den Ahnen einladen, am Gespräch teilzunehmen oder verdammt gute Gründe nennen, weswegen das gerade nicht möglich ist. Wenn kein Platz mehr in der Runde frei ist, so wird vom Rangniedersten erwartet, dass er dem Ahnen seinen Platz anbietet. Kommt ihm jemand Ranghöheres aus der Runde zuvor, kann er letzterem höflicherweise anbieten, seinen Platz zu behalten und dem Ahnen selbst, falls dieser noch nicht den ersten angenommen hat, im Austausch den eigenen Platz anbieten. Hat der Ahn den anderen Platz schon angenommen, so bleibt einem nur, dem nun stehenden höherrangigen Kainiten den eigenen Platz anzubieten. Kommt man diesen Erwartungen nicht nach, so kann eine unschöne Einforderung solcher Pflichten seitens einer Harpyie oder gar der Höherrangigen selbst die Folge sein.

Man sollte versuchen, einem Ahnen, der in der Nähe steht, nicht den Rücken zuzukehren.
Man spricht Ahnen im Zweifelsfall mit ihrem Namen an. Ansonsten empfiehlt es sich wie immer, sich vorher zu erkundigen –eventuell auch beim Ahnen selbst– wie er angeredet werden möchte.

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Verhalten im Lauf des Abends und beim Tanz

Im Laufe des Abends

Es empfiehlt sich, auch im Laufe des Abends darauf zu achten, dass man niemandem ungewollt auf die Füße tritt. Fast alle Höflichkeitsregeln der menschlichen Etikette haben auch in der kainitischen Gesellschaft Geltung:

  • Man sollte sich in ein Gespräch niemals ungefragt einmischen.
  • Man sollte seinen Gesprächspartner nie unterbrechen.
  • Will man ein Gespräch beenden, entschuldigt man sich höflich dafür.
  • Wenn es ein Gespräch mit einem Ahnen ist, sollte man wirklich gute Gründe zur Entschuldigung vorbringen können.
  • Es ist immer besser zu warten, bis man von einem Höherrangigen angesprochen wird.
  • Es ist immer besser zu warten, bis man von einem Höherrangigen aus einem Gespräch entlassen wird.
  • Wenn man sich mit einem Höherrangigen im Gespräch befindet, darf man das Gespräch nur dann unterbrechen (und gegebenenfalls aufstehen), wenn jemand hinzutritt, der einen höheren Rang hat als der Gesprächspartner.


Beim Tanz

Mit einer Person zu tanzen, die weit unter dem eigenen Stand ist, kann keinen Gesichtverlust bedeuten, wenn das Paar über die Tanzfläche schwebt und alle Blicke auf sich zieht. Allenfalls ist es für den talentierten Tänzer niedrigen Ranges ein Prestigegewinn, von dem er/sie nur träumen konnte!

Eine Dame sollte immer ablehnen dürfen; ohne das Gesicht zu verlieren. Eine Abfuhr sollte allerdings höflich erfolgen, und immer mit einer (wenn auch fadenscheinigen) Begründung. Auch einer höherstehende Dame steht Höflichkeit gut zu Gesicht, auch wenn sie bei einem Herrn, der wesentlich unter ihrem Rang steht, durchaus direkter und knapper formuliert werden kann. „Nein, vielen Dank.“ sollte aber das mindeste sein. Während eines Tanzes wird nicht abgeschlagen! Das ist so ziemlich das Unhöflichste was man tun kann, egal welchen Stand und Rang man bekleidet.
Sollte die Dame nicht mehr Tanzen wollen, sagt sie es dem Tanzpartner, und der bringt sie zu ihrem Platz zurück, was er übrigens immer nach dem Tanz tun sollte.

Auf dem Weg zur Tanzfläche bietet man der Dame immer den rechten Arm an, sie hängt sich ein, das gilt auch wenn nur ein paar Schritte zu gehen sind. Ein Gespräch während des Tanzes sollte immer der Herr beginnen.

Wenn sich mehrere Herren einer Dame als Tanzpartner anbieten, dann haben Niedrigrangige den Höherrangigen den Vortritt zu lassen und es beim nächsten Tanz wieder zu probieren. Wenn die Dame von zwei oder mehr gleichgestellten aufgefordert wird, kann sie frei wählen, und verspricht den übrigen den/die nächsten Tänze.

Wenn Unfälle auf dem Parkett passieren (Zusammenstoß, Umkippen, Versteigen, auf Kleid einer Dame steigen, jemand auf die Zehen steigen …) ist immer eine höfliche Entschuldigung und im Bedarfsfalle das Anbieten von Hilfestellung ein Muss.

Danke an Lidia!

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Anstand & Sitte

Auch dieser IT-Informationstext über die Etikette ist ein paar Jahre alt (ist aber dennoch eine Grundlage unseres Spiels) und stammt meines Wissen aus der Feder von Lidia aus Hamburg.

(Der Text ist im Original belassen, das Inhaltsverzeichnis jedoch der Website angepasst worden.)


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Erinnerung an

Anstand und Sitte


Dies soll eine Erinnerung sein, an das, was Ihre Schöpfer und Lehrer Ihnen über die Formen des guten Benehmens in unserer Gesellschaft beigebracht haben.


Inhalt

Einleitung I
Amt und Status II
Das politische Amt III
Der gesellschaftliche Status IV
Wie sich politisches Amt und gesellschaftlicher Status zueinander verhalten V
Verhalten gegenüber Höherstehenden VI
Der Gastgeber und das Hausrecht VII
Die Einladung VIII
Die Pflichten des Gastgebers IX
Die Rechte des Gastgebers X
Der Gast und das Gastrecht XI
Die Pflichten des Gastes XII
Die Rechte des Gastes XXIII

Gefallen und ihre Bedeutung
XIV
Das Elysium XV
Der Hüter des Elysiums XVI
Weitere Anmerkungen zu gutem Benehmen XVII

 


I

Einleitung

Die Umgangsformen und die detaillierten Etikette unterscheiden sich von Domäne zu Domäne. Daher kann diese Schrift es nicht für sich in Anspruch nehmen eine allgemeingültige Anleitung zu sein. Es soll hier eher auf die grundlegenden Gesetze der Höflichkeit und des Umgangs in unserer Gesellschaft eingegangen werden.

Diese Schrift ist als Erinnerung an die Weisungen und Anleitungen gedacht, die jeder Sire seinem Childe gibt, oder doch geben sollte. Sie hat den Zweck, eine Erziehung der jungen Mitglieder unserer Gesellschaft zu mehr Sitte und Anstand zu ermöglichen. Eine Erziehung und die damit verbundenen Strafen und Belohnungen sind aber nur dann sinnvoll, wenn der zu Erziehende eine Vorstellung von den Maßstäben hat, an denen er gemessen werden wird.

Es ist zu bedauern, dass so viele Sire die Vorbereitung auf den gesellschaftlich korrekten Umgang miteinander so vernachlässigen, dass unter den Neonaten nichts mehr davon zu entdecken ist. Vielleicht weckt diese Schrift das Interesse und den Wunsch, sich näher mit den Feinheiten der Etikette zu beschäftigen. All diesen Interessierten sei ans Herz gelegt, sich durch Beobachtungen bei Gesellschaftlichen Ereignissen und Einladungen einen „Blick für die Situation“ anzueignen. Nur durch ständiges Üben und Beobachten kann man sich Weiterentwickeln.


II

Amt und Status

Der Stand innerhalb unserer Gesellschaft wird durch zwei Faktoren bestimmt. Zum einen ist das politische Amt einer Person wichtig, zum anderen ihr gesellschaftlicher Status. Die Kombination aus den beiden Faktoren bestimmt ob eine Person einer anderen Untergeordnet, Gleichgestellt oder Höhergestellt ist. Der gesellschaftliche Umgang zwischen zwei Personen ist durch ihren Stand zueinander vorbestimmt.


III

Das politische Amt

Das politische Amt ist uns durch die Traditionen der Camarilla gegeben. Die Positionen und Aufgaben ihrer Würdenträger sind damit auch Ausdruck ihrer Stellung in der Gesellschaft. Grundsätzlich sind die folgenden Ämter zu beachten:

Justitiar

 

Prinz

 

Primogen

Auf eine Beschreibung der politischen Funktionen soll an dieser Stelle verzichtet werden, da es in dieser Schrift in erster Linie um die Umgangsformen geht.

Natürlich gibt es neben den oben genannten Ämtern weitere Funktionsträger wie Archonten, Hüter der Elysien, Sheriffs oder Harpyien. Allerdings ist deren Stellung sehr von ihrer Person und der Domäne abhängig, in der sie ihre Funktion ausüben. Dem gesellschaftlich Unerfahrenen kann ich nur raten, sich im Falle einer Unklarheit an den gesellschaftlichen Status der betreffenden Person zu halten.

In einigen Domänen wird außerdem ein „Rang“ namens „Anarch“ beachtet, dessen Wertigkeit unter dem eines Amtlosen Camarilla Angehörigen anzusiedeln ist


IV

Der gesellschaftliche Status

Der gesellschaftliche Status ist zu einem großen Teil durch das Alter der betreffenden Person bestimmt. Man unterscheidet:

Elder oder Ahn

 

Ancilla

 

Neonate oder Neugeborener

 

Childe oder Kind

 

Durch den Kuß der Unsterblichkeit wird man automatisch zu einem Childe.

Der Status des Neonate wird einem durch seinen Sire verliehen. Dies geschieht, indem der Sire sein Childe als ein vollwertiges Mitglied der Camarilla dem Prinzen der Domäne vorstellt und das Childe vom Prinzen als vollwertiges Mitglied der Domäne akzeptiert wird. Vielfach ist diese sogenannte „Freigabe“ oder auch „Freisprechung“ mit einer Einladung verbunden und stellt damit den ersten gesellschaftlichen Kontakt des neuen Neonaten dar.

Der Status des Ancilla wird vom Prinzen einer Domäne verliehen oder in sehr seltenen Fällen von einem Hochrangigen Vertreter des Clans, dem die Person angehört. In einigen Domänen ist diese Aufgabe der Harpyie übertragen.

Ein Ancilla zeichnet sich dadurch aus, das er seinen Wert für die Gesellschaft und die Domäne in der er verweilt bewiesen hat. Er ist bereit und in der Lage Verantwortung zu tragen. Gewöhnlich wird eine Person im Alter von fünfzig bis hundert Jahren als Ancilla anerkannt.

Der Status eines Elder kann nur durch die Akzeptanz aller Elder der Gegend erlangt werden. Im Falle einer deutschen Domäne wären alle Elder aller deutschen Domänen zu überzeugen, dass dieser Status angemessen ist. Es kann zu großen Verwicklungen und Intrigen führen, wenn nur ein Teil der Elder jemanden für würdig hält.


V

Wie sich politisches Amt und gesellschaftlicher Status zueinander verhalten

In alter Zeit war es normal, dass ein politisches Amt einen gewissen gesellschaftlichen Status voraussetzte. In neuerer Zeit ist es allerdings immer häufiger, dass eine Person ein politisches Amt inne hat, das ihrem gesellschaftlichen Status nicht entspricht. Dies führt zu einer politisch wie gesellschaftlich prekären Lage.

Als Faustregel sollte sich der gesellschaftlich Unerfahrene immer zuerst am gesellschaftlichen Status orientieren. Bei gesellschaftlich Gleichgestellten ist der politische Rang allerdings sehr wohl zu beachten.

Somit ist ein Neonate, der das Amt eines Primogen inne hat, einem Ancilla untergeordnet, während er gegenüber einem anderen Neonate höhergestellt ist.


VI

Verhalten gegenüber Höherstehenden

Grundsätzlich ist einem Höhergestellten Respekt und Höflichkeit entgegenzubringen.

Je größer der Standesunterschied ist, umso mehr hat der Untergeordnete die Wünsche und Aufforderungen des Höhergestellten zu beachten.

Wenn Sitzplätze nur für einen Teil der Anwesenden ausreichen, haben die höher stehenden das Recht zu sitzen. Das bedeutet, der Untergeordnete räumt seinen Platz ohne Aufforderung, wenn ein Höhergestellter hinzukommt.

Sind keine Bedienstete für die Servierung der Getränke anwesend, so kommt es dem Untergeordneten zu, seine Höhergestellten zu bedienen. Wenn dies vom Höhergestellten abgelehnt wird, so verbietet es die Höflichkeit noch einmal zu fragen, es wäre aufdringlich. Äußert der Höhergestellte jedoch später den Wunsch nach einem Getränk so hat der Untergeordnete entsprechendes zu kredenzen.

Ist man im Gespräch mit einem Höhergestellten und möchte dieses Gespräch beenden oder sich aus einer Gesprächsrunde zurückziehen, so fragt man den Höhergestellten ob er es entschuldigen würde.

Es ist extrem unhöflich, sich einfach ohne Kommentar aus dem Gespräch zu entfernen.

Ein kurzes Wort der Entschuldigung ist ebenfalls angebracht, wenn man sich in ein Gespräch einmischt, an dem ein Höhergestellter beteiligt ist.

Unter gar keinen Umständen drängt man sich zwischen die Gesprächspartner, kehrt dem Höhergestellten womöglich dabei den Rücken zu, und redet ungebeten mit einem Gesprächsteilnehmer.

Es ist schon Gleichgestellten gegenüber rüde, wenn man seinen Gesprächspartner unterbricht. Einen Höhergestellten lässt man ausreden!


VII

Der Gastgeber und das Hausrecht

Gastgeber ist derjenige, der eine Einladung ausspricht oder der die relevanten Örtlichkeiten als seinen Besitz betrachtet. In dieser Beziehung kann man natürlich den Prinzen einer Domäne immer als Gastgeber betrachten, solange die relevanten Örtlichkeiten innerhalb seiner Domäne liegen. Dies wird jedoch nur selten in explizitem Maße so gehandhabt. Allerdings sollte sich jeder Gastgeber, der seinen Prinzen einlädt sich dieser Tatsache bewusst sein.


VIII

Die Einladung

Eine Einladung ist immer eine gesellschaftliche Verpflichtung. Der Gastgeber bestimmt, wer kommen soll und wer nicht.

Diese Entscheidung ist eine der wichtigsten und oft auch schwierigsten, die es in unserer Gesellschaft gibt.

Gäste, die den gleichen Status haben wie der Gastgeber sind durch eine Einladung erst einmal verpflichtet, im Falle einer eigenen Veranstaltung den Gastgeber ebenfalls einzuladen. Dies trifft um so mehr auf Gäste mit niedrigerem Status zu.

Gäste mit höherem Status sollten aufgrund der Einladung absehen können, ob die Veranstaltung ihr Interesse weckt. Wenn ein Höherstehender eine Einladung ablehnt, so ist dies sein gutes Recht und muss nicht als Beleidigung gewertet werden.

Wenn sich ein Gleichgestellter oder Niedrigrangiger entschließt, eine Einladung abzulehnen, so sollte er sicher stellen, dass dies mit dem gebührenden Respekt und unter Angabe eines Grundes erfolgt. Wenn jemand ohne Absage nicht zu einer Veranstaltung erscheint, zu der er ausdrücklich eingeladen war, so kann der Gastgeber dies als Beleidigung werten.

Auch wenn man eine Einladung annimmt, so ist es ein Gebot der Höflichkeit den Gastgeber darüber zu informieren.

Generelle Einladungen zu Konklaven oder großen Veranstaltungen, bei denen „alle Kainiten“ oder „alle Mitglieder der Camarilla“ eingeladen sind, sind nur zu beantworten, wenn man erscheinen wird. In solchem Fall sollte Angekündigt werden wie man von der Einladung Kenntnis erhalten hat und das man kommen wird. Diese Ankündigung kann auch für eine Gruppe gemeinsam gemacht werden. Hier geht es eher darum, den Gastgeber über die Anzahl der zu erwartenden Gäste und deren Status zu informieren.

Bei einer Einladung gibt es drei Personengruppen zu unterscheiden: die Persona Gratissima oder auch Ehrengäste, die Persona Grata oder auch Gäste und die Persona non Grata oder auch unerwünschte Personen. Mindestens die Ehrengäste sollten eine persönliche Einladung erhalten, in der sie namentlich genannt sind. Unerwünschte Personen werden nicht eingeladen, was dazu führen kann, das sich alle, die keine Einladung erhalten, für nicht erwünscht ansehen.


IX

Die Pflichten des Gastgebers

Durch die Einladung geht der Gastgeber die Verpflichtung ein, sich für die Dauer der Veranstaltung um das Wohl seiner Gäste zu bemühen. Dies schließt angemessene Örtlichkeiten, angemessene Wahl der Gäste und angemessene Sicherheit der Gäste ein. So wird man in der Regel keine Anarchen einladen, wenn man einen Justitiar erwartet; Man sollte einen Maskenball nicht unbedingt unter einer Brücke veranstalten; Und bei einem gesellschaftlichen Anlass ist es eine Überlegung wert, das tragen von Waffen zu untersagen.

Nach alter Sitte steht ein Gast unter dem Schutz des Gastgebers. Dies bedeutet, das der Gastgeber bemüht sein sollte Streiterein unter seinen Gästen zu schlichten, Angriffe von Außerhalb zu vermeiden und natürlich den Gast nicht selbst zu beleidigen.

Die Ehrengäste und die anwesenden Elder sollten den anderen Gästen vorgestellt werden. Es spielt dabei keine Rolle, ob die betreffende Person allen bekannt ist oder nicht, die Ehrung des Ehrengastes besteht unter anderem in dieser Vorstellung.


X

Die Rechte des Gastgebers

Der Gastgeber hat mindestens für die Dauer der Veranstaltung zu der er geladen hat das Hausrecht in den relevanten Örtlichkeiten. Dies umfasst das Recht jeden Gast, der sich nicht angemessen verhält der Örtlichkeiten zu verweisen. Diese Regel hat allerdings die Ausnahme im Hüter des Elysiums, sofern die Örtlichkeiten zum Elysium erklärt wurden.

Der Gastgeber hat weiterhin das Recht, für die Dauer der Veranstaltung spezielle Verhaltensregeln von seinen Gästen zu fordern. Darunter fallen: das tragen angemessener Kleidung, das Tragen von Masken, das nicht tragen von Waffen, die Teilnahme an Spielen und vieles mehr. Diese Regeln sind allerdings in der Einladung zu nennen, damit sich der Gast darauf einstellen kann und im Falle, das er sie nicht akzeptieren kann, die Möglichkeit hat, der Veranstaltung fernzubleiben.

Der Gastgeber steht für die Dauer der Veranstaltung in höherem Status als seine sonst Gleichgestellten. Der Satz „der Gast ist König“ gilt nur sehr eingeschränkt für Gäste einer gesellschaftlichen Veranstaltung. Man sollte ihn eher in dem Sinne interpretieren, dass das Wohl des Gastes die Pflicht des Gastgebers ist. Ansonsten haben die Gäste dem Gastgeber einen höheren Respekt entgegenzubringen als es seinem allgemeinen Status entspricht. Dies geht nicht so weit, dass der gesellschaftliche Status aufgehoben wird, sondern betrifft eher die Gleichgestellten des Gastgebers.


XI

Der Gast und das Gastrecht

Gast ist derjenige, der sich auf Wunsch des Gastgebers in einer Örtlichkeit aufhält. Eine Einladung ist als Ausdruck eines solchen Wunsches zu sehen. Ohne eine Einladung muss man sich dem Gastgeber vorstellen um ihm die Möglichkeit zu geben, sich eine Anwesenheit zu verbitten oder eine Einladung auszusprechen.


XII

Die Pflichten des Gastes

Mit der Einladung hat der Gastgeber die Möglichkeit, Regeln für seine Veranstaltung festzulegen. Eine Angenommene Einladung ist Ausdruck der Bereitschaft sich diesen Regeln zu unterwerfen.

Zu den unausgesprochenen Regeln gehört immer das Hausrecht, nach dem der Gastgeber das Recht hat einen Gast der relevanten Örtlichkeiten zu verweisen.


XIII

Die Rechte des Gastes

Jeder Gast hat das Recht, sich jederzeit von der Veranstaltung zu entfernen.

Der Gast kann von seinem Gastgeber erwarten, dass sich dieser Mühe gibt, allen Schaden vom Gast fernzuhalten und seinen eigenen Gast nicht zu beleidigen.


XIV

Gefallen und ihre Bedeutung

Die Währung in unserer Gesellschaft besteht aus Boons oder Gefälligkeiten. Eine Gefälligkeit ist eine Handlung, die von einer Person, dem späteren Schuldner, gewünscht wird. Der Wohltäter oder Gläubiger hat also dem Schuldner einen Gefallen getan. Die Art der Gefallen kann so vielfältig sein, wie die Probleme, denen sich eine Person gegenüber sehen kann.

Der  Vorteil, den der Gläubiger hat ist fundamental: Eine Gefälligkeit muss erwidert werden! Diese Erwiderung besteht häufig darin, dass der Gläubiger den Schuldner zu einer Handlung auffordert, welche die Schuld begleicht.

Solange bis die Schuld beglichen ist, hat der Schuldner seinen Gläubiger wie einen Höhergestellten zu behandeln. Damit erlangt jemand, der mehreren Personen Gefallen getan hat automatisch zu einem höheren Status, der auch von unbeteiligten beachtet werden sollte. In dem seltenen Fall, das ein Elder einem Ancilla oder Neonate bzw. ein Ancilla einem Neonate eine Gefälligkeit schuldet, wird eine Andeutung im Verhalten gegenüber dem Gläubiger als ausreichend betrachtet. Der Schuldner sollte aber auch in diesem Fall einen deutlichen Statusunterschied zwischen seinem Gläubiger und dessen Gleichgestellten
machen.

Eine ungewünschte Gefälligkeit muss nicht anerkannt werden. Wenn es sich dabei allerdings um eine große Gefälligkeit handelte, die dem Schuldner einen deutlichen Vorteil gebracht hat, so kann die Nichtanerkennung dazu führen, das dieser Person niemals wieder unaufgefordert geholfen wird. Normalerweise bedingt ein solches Verhalten einen Rückgang des Status.

Ein besonderer Fall sind Lebensschulden. Wenn der Gläubiger dem Schuldner die Existenz gerettet hat, so ist ihm dieser alles schuldig, was er besitzt. Der Gläubiger kann bis hin zur leiblichen Existenz alles als Erwiderung fordern.

Der Schuldner hat ihn bis zu dieser Erwiderung entsprechend zu behandeln. Der Gläubiger kann natürlich eine ganze Reihe von Handlungen als Erwiderung erwarten und diese sollten auch ohne ausdrücklichen Wunsch vom Schuldner geleistet werden.

Wenn Schulden nicht beglichen werden, oder wenn ein Schuldner meint, die geforderte Erwiderung sei zu groß, so können die Beteiligten ihren Disput vor den Prinzen oder einen Elder bringen. Normalerweise delegiert der Prinz die Schlichtung dieser Streitigkeiten an die Harpyie, die natürlich auch direkt aufgesucht werden kann.

Dieser Schritt beinhaltet allerdings immer eine Veröffentlichung des gesamten Streites und kann zu gravierenden Statusverlusten führen, wenn die Angelegenheit nicht entsprechend wichtig ist. Es wird im allgemeinen als gesellschaftliche Unfähigkeit betrachtet, wenn man seine Schulden und Gefälligkeiten nicht selber regeln kann. Sollte der Fall aber mit Recht in die Öffentlichkeit getragen worden sein, so ist der Statusverlust des ungerechten Beteiligten um so größer.


XV

Das Elysium

Ein Elysium wird vom Prinzen einer Domäne erklärt; Alle dort Anwesenden Personen stehen damit unter seinem Schutz. Innerhalb eines Elysiums sind Angriffe und Ausschreitungen jeglicher Art verboten. Häufig wird auch jeder Einsatz von Disziplinen verboten, obwohl eine Ausnahme betreffs des Obfuscate (auch Verdunkelung genannt) für die Mitglieder des Clan Nosferatu durchaus nicht ungewöhnlich ist. Ein Angriff innerhalb eines Elysiums ist als Angriff auf den Prinzen zu bewerten.

Generell sollte man sich in einer fremden Domäne beim Hüter des Elysiums, dem Gastgeber oder der Harpyie nach den speziellen Gesetzen und Gebräuchen bezüglich des Elysiums erkundigen. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe!

Auch wenn es der Höflichkeit entspricht einen Gast beim betreten des Elysiums auf diesen Status aufmerksam zu machen, so ist es doch auch eine Pflicht des Gastes, sich kundig zu machen über die Örtlichkeiten, an denen er verweilt.


XVI

Der Hüter des Elysiums

Der Hüter des Elysiums wird vom Prinzen eingesetzt und hat an Stelle des Prinzen die Einhaltung des Elysiums zu überwachen. Damit steht er in seiner Entscheidungsgewalt über allen Anwesenden, einschließlich des Gastgebers. Dies heißt nicht, das dem Hüter des Elysiums der gleiche Status zusteht wie dem Prinzen, sondern das seine Entscheidungen betrachtet werden müssen, als wenn sie vom Prinzen kommen.

Dies beinhaltet zum Beispiel den Verweis aus dem Elysium zum Schutze desselben. Einen solchen Verweis kann der Hüter des Elysiums jederzeit aussprechen, wenn er meint, die betreffende Person oder ihre Handlungen würden zur Zeit oder in Zukunft das Elysium gefährden. Welches Verhalten als Verstoß gewertet wird liegt dabei allein in der Hand des Hüters und ist bindend, bis der Prinz selbst etwas anderes verfügt. Der Hüter ist in allen Entscheidungen bezüglich des Elysiums allein dem Prinzen Rechenschaft schuldig.

Sollte es zu Tätlichkeiten kommen oder der Hüter des Elysiums es für angebracht halten, so steht es ihm frei jeden Anwesenden, den er als Schuldig betrachtet mit allen dafür erforderlichen Mitteln ruhig zu stellen. Im Allgemeinen wird er den Aggressor des Elysiums verweisen oder in extremeren Fällen pflocken.


XVII

Weitere Anmerkungen zu gutem Benehmen

Als Neonate und gesellschaftlich Unerfahrener sollte man sich immer vor Augen halten, dass die Elder in einer Welt mit viel strengeren Sitten und Gebräuchen gelebt haben. Daraus resultiert, dass viele Elder Wert auf Etikette legen, die heutzutage nicht mehr eingehalten oder gelehrt werden. So ist es zum Beispiel fast schon eine Beleidigung, einen Elder per Telefon zu einer Veranstaltung einzuladen, auch wenn dies als persönliche Einladung gemeint war. Korrekt ist eine handgeschriebene und Unterschriebene namentliche Einladung.

Beim Besuch einer fremden Domäne sollte man sich über die dort üblichen Umgangsformen informieren. Zuständig für solche Fragen ist die Harpyie der Domäne die man besucht.


Verfasst von L.A.

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