In der Woche vom 20. bis zum 24. Januar 2003 werden im Fernsehen verschiedene Beiträge ausgestrahlt.


Die Berichte werden von einigen bekannten TV-Magazinen im Vorabendprogramm gezeigt und beleuchten die genannten Ereignisse nur teilweise. Der untenstehende Beitrag stammt von einem TV-Magazin welcher den ausführlichsten Bericht dieser Art darstellt und ist deshalb stellvertretend für alle anderen Berichte im Detail aufgeführt. Gegen Ende der Woche greifen auch verschiedene regionale und überregionale Tageszeitungen das Thema auf.


TV-Magazin vom 20.01.2003

Anmoderation:

“In der norddeutschen Provinz sagten sich früher noch artig Fuchs und Hase ,Gute Nacht’. So auch im westfälischen Sassenberg, einem verschlafenen Nest im Grünen, einer Gegend, die Eingeweihten lediglich durch ihren Lokalsender Radio WAF bekannt ist. Seit einer ereignisreichen Nacht im Januar ist diese Idylle zum trügerischen Scheinbild geworden. Fünf skrupellose Individuen stürmten ein Haus, überwältigten die Einwohner und richteten sie quasi hin. Nur eines der Opfer konnte entkommen. Die erschütternde Bilanz der Schreckensnacht: 2 Tote, ein Vermisster und ein Opfer, das sich noch nicht vollständig von ihren psychischen Qualen erholt hat. Polizeiberichte und Zeugenaussagen auch aus einer anderen Gegend lesen sich wie ein bizarres Horrorszenario à la Stephen King mit einem Schuss Bram Stoker.”


MAZ Anfang…

Im Bild eine Waldstraße am Tag, die Kamera schwenkt an der Straße entlang, zeigt eine Wiese und dann Reifenspuren, die im Graben enden. Ein Schwenk zurück auf den angrenzenden Wald.


Ton Sprecher: “Es ist am späten Abend Uhr am 11. Januar. In dem kleinen Örtchen Gesmold im Landkreis Osnabrück ist alles wie immer. Die Anwohner einer abgelegenen Wohnstraße, haben nichts ungewöhnliches bemerkt. Gegen 22 Uhr ereignete sich jedoch in diesem Wald ein grausames Schauspiel. Mehrere Satanisten führten eines ihrer Rituale durch. Dabei zogen sie einen Ritualkreis aus mit Menschenblut vermischter Erde. Die gefundenen Kampfspuren, lassen darauf schließen, dass eine weitere Gruppe die Satanisten stören wollte und eine als Molotow-Cocktail bekannte Brandbombe in den Kreis warf. Weitere Brandherde wurden gefunden, jedoch bleibt ihre Ursache bisher mysteriös. Im darauffolgenden Kampfgetümmel kam es zu einem Schusswechsel, den ein Anwohner zunächst für einen Krimi im Fernsehen hielt.”

Im Bild ein Schwenk über eine Wegkreuzung im Wald, mit einigen schwer erkennbaren verbrannten Stellen und einem Rest Erde, der ein Kreis gewesen sein könnte. Dann Schnitt zu einem älterern Mann mit Cord-Hut und Dackel an der Leine am Waldrand.

Unterzeile: Walter Nierhoff, Anwohner


O-Ton Nierhoff: „Also, ich wollt ins Bett gehen. Ich hatte grade „Die Krone der Volksmusik” geschaut und da hörte ich ‘n Geknalle und Geschreie. Da dachte ich erst, dass mein Nachbar, ein bißchen schwerhörig, müssen Sie wissen, seinen Fernseher wieder so laut gestellt hat und der guckt ja so gerne Krimis, wissen se? Aber als ich am Sonntag morgen mit Rex, das ist der Kleine hier, ne, durch’n Wald gejoggt [deutsch ausgesprochen] bin, hab ich gesehen, was da für schreckliche Vandalen gehaust ham. Da hab ich natürlich sofort die Polizei gerufen. Denn wissen Sie, mein Enkel hat mir zu Weihnachten so’n neumodisches Händi geschenkt. Und das hab’ ich jetzt immer dabei.” Er hebt ein Handy ins Bild.


Ton Sprecher: „Dies war jedoch erst der Anfang. Seinen traurigen Höhepunkt fand das Horrorszenario schließlich in Sassenberg im Kreis Warendorf, wo fünf Personen ein Haus stürmten.”

Im Bild ein Wohnhaus mit provisorisch reparierter Vordertür.


Ton Sprecher: „Wie die Ermittlungen der Polizei ergaben, drangen die Personen, deren Phantombilder Sie hier sehen -


- sowie eine rothaarige Frau Mitte 20, etwa 1,80 groß, in das Haus ein. Sie schlugen und quälten die beiden Anwohner sowie ihren Gast Marlies K.”

Im Bild eine Frau mit blauen Haaren, deren Gesicht verzerrt und damit unkenntlich gemacht ist. Sie spricht mit einer ebenfalls verzerrten Stimme, die arg an Minnie Maus erinnert.

Unterzeile: Das überlebende Opfer Marlies K.


O-Ton Marlies K.: „Eigentlich wollte ich mir nur einen netten Abend machen mit Andrej und seinem Freund Sven. Ich hab Andrej erst vor zwei Wochen kennengelernt und er hatte ja so einen süßen Hintern. Also hab’ ich bin bei den beiden vorbeigeschneit und hatte einen Konti Bier dabei. Sie freuten sich auch und wir machten es uns gemütlich. Als plötzlich so’n paar Irre die Tür eintraten. Ich war grad in der Diele, weil ich Nachschub holen wollte, da standen auf einmal zwei Typen vor mir und hielten mir ‘ne Knarre an den Kopf. Drinnen im Wohnzimmer waren noch zwei Weiber und ‘n Kerl, die Andrej und Sven an die Wand gestellt hatten und durchsuchten als ob sie Waffen dabei hätten.”

Ton Sprecher: „Was wollten die? Geld?”


O-Ton Marlies K.: „Ich hab keine Ahnung! Drei von denen durchsuchten wohl das Haus. Und der große Kerl und das kleine Mädel hielten uns in Schach. Ich weiß nicht, was die wollten, denn immer wenn wir sie gefragt haben, was sie hier wollen, sagte der Große immer nur „Halt’s Maul!”. Und als Sven dann dem Kerl mal so’n bisschen die Meinung sagen wollte, hat er ihm direkt in die Fresse getreten. Dann haben der Mann im Anzug so’n anderen Typen reingeholt. Mit dem ist er gleich in den Keller gegangen. Dort ham sie ihn dann einfach umgemacht, den armen Kerl.”


Ton Sprecher: „Was passierte dann?”


O-Ton Marlies K.: „Sven hat auf einmal ‘nen Anfall bekommen und angefangen Blut zu kotzen. Ich wollte ihm helfen oder zumindest einen Arzt rufen, aber der Große hat mich nicht gelassen. Er hat mir ‘ne Knarre an’n Kopf gehalten und das Handy zerschossen. Sie haben ihn tatsächlich elendich verrecken lassen. Ohne sich um ihn zu kümmern.” Man hört ein kurzes Schluchzen und ein Nase schnäuzen. „Dann, dann hab ich versucht, als sie kurz nicht aufgepasst haben, zur Dielentür rauszulaufen. Aber auf der Diele waren dieser Typ im Anzug und der Bärtige und die haben dann versucht mich niederzuschlagen. Als sie mich dann festgehalten haben, bin ich doch ohnmächtig geworden, keine Ahnung, wieso.


Ton Sprecher: „Doch was dann geschah, entbehrte doch jeder Menschlichkeit, nicht wahr?”

O-Ton Marlies K.: „Genau. Als ich halbwegs wieder zu mir kam, merkte ich, dass der Große mir in den Hals gebissen hatte. Und zwar so richtig, das tat schweinemäßig weh, aber irgendwie war es auch ziemlich….hm, naja,….fast schon….geil. Nicht, dass Sie mich jetzt für pervers halten. Ich steh normalerweise nicht auf so was. Aber irgendwas hatte das. Auch an meinem Handgelenk war irgendwas.”

Ton Sprecher: „Bei Ihnen wurde im Krankenhaus eine starke Anämie festgestellt. Meinen Sie, dieser Biss hätte etwas damit zu tun?”


O-Ton Marlies K.: „Ja, als die Typen mich wieder ins Wohnzimmer brachten, war mir total schwummrig und als ich dann auf dem Sessel saß, bin ich auch wieder ohnmächtig geworden. Ich kam dann irgendwann wieder zu mir und um mich war überall Rauch und Feuer. Und ich bin nur noch rausgestolpert. Keine Ahnung, wie ich das geschafft hab, aber irgendwann waren da einfach nur noch Sanis und dann bin ich am nächsten Tag im Krankenhaus wieder wach geworden.”

Im Bild kurz das Krankenhaus in Warendorf. Dann Umblendung auf ein Arztzimmer, am Schreibtisch ein Herr im weißen Kittel, Mitte 40, Halbglatze.

Untertitel: Dr. Georg Wilde, Leiter der Notaufnahme


O-Ton Dr. Wilde: „Frau K. wurde am 12.1. gegen 0:30 eingeliefert. Sie war ohne Bewusstsein und hatte eine schwere Verletzung an der linken Halsseite. Bei genauerer Untersuchung konnten zwei Hämatome im Vorderen Kopfbereich unter den Haaren festgestellt werden. Des weiteren litt Frau K. an einer schweren Anämie, deren Ursache nicht genau festgestellt werden konnte. Nachdem die Patientin wieder bei Bewusstsein war und zu den Vorgängen befragt werden konnte, gab sie an, dass es sich so angefühlt hätte, als ob zwei der Täter ihr Blut getrunken hätte.”

Ton Sprecher: „Gab es dafür Anzeichen?”

O-Ton Dr. Wilde: „Nun ja, die Wunde am Hals glich tatsächlich einer Art Bisswunde, wie man sie aus Vampirfilmen kennt. Aus wissenschaftlicher Sicht jedoch erscheint dies fragwürdig. Vermutlich hat sich Frau K. bei dem Versuch, das brennende Haus zu verlassen, an Nägeln oder etwas ähnlichem verletzt.”

Ton Sprecher: „Also schließen Sie das Trinken des Blutes durch einen der Täter aus?”


O-Ton Dr. Wilde: „Nun, ich will es einmal so sagen, vom medizinischen Standpunkt her, ist es unmöglich, dass ein Mensch so viel Blut trinkt, ohne sich direkt übergeben zu müssen. Mal abgesehen davon, dass das menschliche Gebiss nicht über zwei solcher Reißzähne verfügt. Andererseits gibt es keine Erklärung dafür, wo das Blut von Frau K. geblieben ist, denn am Tatort wurden keine Spuren gefunden.”

Im Bild die Frau mit blauen Haaren, deren Gesicht verzerrt und damit unkenntlich gemacht ist. Sie spricht mit einer ebenfalls verzerrten Stimme, die arg an Minnie Maus erinnert.

Unterzeile: Marlies K. – Opfer eines Vampirs?


Ton Sprecher: „Ihre Schilderung legt die Vermutung nahe, dass sie Opfer von Vampiren wurden.”


O-Ton Marlies K.: „Also normalerweise glaube ich ja nicht an so was, aber ich bin mir nicht ganz sicher, es fühlte sich echt so an, als hätten die mir das Blut aus dem Körper gesaugt.”


Im Bild der Sprecher mit dem Mikro des Senders mit den drei großen Buchstaben.

„Die Leiche des Sven, der Nachname ist Frau K. leider nicht bekannt, doch sie beschreibt ihn als etwa 30 Jahre alt, ca. 1, 90 m groß, dunkle lockige Haare und von stabiler Statur, wurde bis heute nicht gefunden. Sie befand sich definitiv nicht im abgebrannten Haus. Die Polizei verweigerte nähere Auskünfte mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen. Müssen wir nun befürchten, dass Frau K. ebenfalls zu einem Vampir wird und diese Seuche auf uns alle übergreift? Oder ist es doch nur ein Mythos aus den dunklen Fantasien einer jungen Frau, die ein schreckliches Verbrechen nur knapp überlebte. Dies war Bernhard Eligmann für „Sprengend”.

MAZ Ende

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